Geschichte
Bis 1921 wurden die Altenbacher Katholiken von der Pfarrei Heiligkreuz in Heiligkreuzsteinach betreut. Alle Gottesdienste wurden in der Pfarrkirche in Heiligkreuzsteinach gefeiert. Über den sogenannten Alten Kirchenweg war man etwa eine Stunde zu Fuß unterwegs um zur Kirche in Heiligkreuzsteinach zu gelangen. Der Besuch der Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen und zusätzlich die Teilnahme an der Christenlehre für die Christenlehrpflichtigen war damals strenge Pflicht und das bei jedem Wetter, auch bei Schnee und Eis. So war es nicht verwunderlich, dass sich die Altenbacher Katholiken eine eigene Kapelle vor Ort wünschten. 1890 wurde der Bau einer Kapelle beim Oberstiftungsrat in Karlsruhe und dem erzbischöflichen Bauamt in Heidelberg beantragt. Drei Jahre später beauftragte der Oberstiftungsrat in Karlsruhe das erzbischöfliche Bauamt in Heidelberg mit der Planung und dem Bau einer Filialkirche in Altenbach. Am 9.10.1898 fand endlich die Weihe der Kirche zum Heiligen Michael statt.
Dieser Bau wurde wohl weitgehend durch Spenden der Altenbacher Gemeinde finanziert. Bereits 1890 waren 11500 Mark für den Kapellenbau gespendet worden. Die geplanten Kosten (ohne Baugrund) beliefen sich auf 12500 Mark.Im gleichen Jahr wurde auch die evangelische Kirche in Altenbach fertiggestellt.
Mit dem Amtsantritt von Pfarrer Peter Matthäus Eberhard als Seelsorger von Schriesheim kam Altenbach als Filialgemeinde zur Pfarrei Schriesheim.
Pfarrer Eberhard war ein Förderer des Vereinslebens. So wurden 1921 der Jungmännerverein und die Jungfrauenkongregation gegründet und 1926 der Kirchenchor Cäcilia Altenbach.
1925 erhielt die Altenbacher Kapelle wieder drei neue Glocken, da die alten während des ersten Weltkrieges bis auf die kleinste abgegeben werden mussten. Das gleiche Schicksal ereilte diese Glocken während des zweiten Weltkrieges. Die danach beschafften Glocken wurden 1954 geweiht.
Im April 1960 wurden die katholischen Filialgemeinden von Altenbach und Wilhelmsfeld zu einer Kuratie zusammengefasst. Leiter der Kuratie wurde Pfarrer Hans J. Nicol.
Durch den Zuzug der Heimatvertriebenen und der Bautätigkeit in der Gemeinde hatte sich die Zahl der Altenbacher Katholiken nach dem zweiten Weltkrieg stark vermehrt, so dass sonntags häufig zwei Messen gehalten wurden. Die Kapelle bot 140 Sitzplätze bei weit über 300 Gottesdienstbesuchern. Die Zahl der Katholiken war von 336 in 1936 auf 568 in 1959 gewachsen.
Nach Bildung der Kuratie Wilhelmsfeld/Altenbach beauftragte das Ordinariat den Karlsruher Architekten Rainer Disse mit der Planung und Durchführung eines Kirchenneubaus.
An der gleichen Stelle, an der die alte Kapelle stand, wurde nach dreijähriger Bauzeit die heutige St. Michaelskirche errichtet. Die beiden gegenüberliegenden fensterlosen Seitenmauern wurden mit den Sandsteinen der Kapelle gebaut. Ost- und Westseite der sechseckigen Grundkonstruktion sind aus Beton und Glas. Der Altarraum wir durch Betonlamellen indirekt beleuchtet. Die Westfront ist in 12 Fensterfelder aufgeteilt, die einen großen Zyklus aus französischem Betonglas aufnehmen. Die Dachfläche ist in Form zweier Trapeze gestaltet, die über die Seitenmauern hinausragen und das Kirchenschiff wie ein Zelt überdecken. In einiger Entfernung zum Kirchenschiff überragt die dreiseitige Turmpyramide den Kirchenbau. Pfarrer Nicol, der Bauherr charakterisierte den Bau wie folgt:
„Hier entstand ein Bauwerk, das in vollkommener Weise in seinen Formen und Maßen künstlerische und architektonische Elemente vereinigt und Beton, Buntsandstein, Holz und farbenprächtiges Glas in Übereinstimmung bringt, bis hin zu den für diesen Bau eigens entworfenen Geräten und Gewändern.“
Nachdem Altenbach Stadtteil von Schriesheim geworden ist, wird 1973 auch die katholische Pfarrgemeinde wieder Filialgemeinde der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Schriesheim unter Pfarrer Karl Jauch.
In den Jahren 1975/76 wird im Zuge der notwendigen Sanierung des Kirchenvorplatzes der heutige Pfarrsaal unterhalb des Vorplatzes erbaut. Gleichzeitig werden Gruppen- und Heizungsraum, in die immer wieder Wasser eindrang, trockengelegt. Zugunsten dieser Baumaßnahmen veranstaltete man 1974 das erste Pfarrfest. Das jährliche Pfarrfest am nächsten Sonntag zum Michaelstag ist seither einer der Höhepunkte des Gemeindelebens.1990 wird die katholische Kirche St. Michael vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg zum Kulturdenkmal erklärt und steht seither unter Denkmalschutz. In der Urkunde des Landesdenkmalamts heißt es u.a.: „Wegen der herausragenden gestalterischen Qualität der Kirchen-Anlage und ihrer architekturgeschichtlichen und kunstgeschichtlichen Aussagekraft handelt es sich um ein Kulturdenkmal aus künstlerischen und wissenschaftlichen Gründen; an seiner Erhaltung besteht wegen seines dokumentarischen Wertes und seines Seltenheitswertes ein öffentliches Interesse."
Literaturhinweise:
1898-1998 St. Michael Altenbach, Pfarrgemeiderat Altenbach
Clemens Jöckle, Kunstführer Nr. 2572, Verlag Schnell u. Steiner GMBH Regensburg

