Wochenimpuls: Gesegnete Mahlzeit

16.09.2025 |

Ein Thema, das mehr Menschen eint als wir denken, ist: Essen. Nicht die Stadt im Ruhgebiet, sondern das Essen. Diese wunderbare Erfindung Gottes, bei der sogar Streitkulturen wie Nord und Süd sich auf Spaghetti Bolognese einigen können – wenn auch mit unterschiedlichem Käse obendrauf. 
Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Beim Essen geht es um mehr als Kalorien. Essen ist Erinnerung. Omas Kartoffelsalat. Der erste Kaffee, den man bitter fand – und der dann doch süchtig machte. Das Pausenbrot mit zu viel Butter drauf, weil Papa geschmiert hat und dachte: „Ist doch gesund.“ Essen verbindet. Oder wie ein Freund letztens meinte: „Beim Grillen spricht sogar der mit dir, der sonst nur hustet, wenn du ihn grüßt.“

Und wissen Sie, wer das schon immer wusste? Jesus. Der Mann war ständig bei Tisch. Mal mit Zöllnern, mal mit Pharisäern, mal mit hungrigen 5.000. Es gibt so viele Essensgeschichten in der Bibel, dass ich langsam glaube: Wenn Jesus heute leben würde, er hätte sein eigenes Kochformat.
Vielleicht mit dem Titel: „Fisch und Brot – in 12 Portionen mit Resteverwertung.“ Und beim letzten Abendmahl ging’s auch zuerst ums Essen – nicht um Dogmatik. Brot und Wein. Einfach, aber tief. Gott weiß eben: Wenn Menschen essen, öffnen sie nicht nur den Mund – sondern oft auch das Herz. Und die Speise wird zum Bild und Zeichen für „mehr“.
Ich glaube, jedes gemeinsame Essen kann ein kleines Sakrament sein. Wenn wir uns nur Zeit nehmen. Nicht nur für das, was auf dem Teller liegt – sondern auch für den Menschen gegenüber. Also, heute mein Vorschlag: Nicht nur essen, um satt zu werden. Sondern mal wieder mit jemandem essen, den Sie schon lange nicht mehr eingeladen haben.
Oder einfach danke sagen – für das tägliche Brot. Und für den, der es teilt. Denn Essen ist gut. Aber gemeinsam essen – ist göttlich. Alos bleiben Sie gut genährt. Innerlich wie äußerlich.
 
Ihr Pfarrer Ronny Baier