Wochenimpuls: Muss nur noch kurz die Welt retten... Noch 148 Mails checken…

05.08.2025 | so heißt es in einem Lied von Tim Bendzko

 
Liebe Leserinnen und Leser,
 
schnell noch die Welt verändern… Diese Zeilen kommen mir in den Sinn, je näher der erste Urlaubstag rückt. Denn je näher der erste Urlaubstag rückt, umso mehr füllt sich die „Zu‑erledigen‑Liste“. Einige Mails müssen noch beantwortet werden, das Lieblingshemd, das mit soll, muss gewaschen werden, ich sollte die Sekretärin bitten, den Briefkasten zu leeren, eine gute Seele bitten, die Blumen zu gießen, … es ist unglaublich, was einem in den Tagen vorher alles einfällt, was man unbedingt noch erledigen muss.

Als ich vor einiger Zeit eine E‑Mail von einem Freund erhielt, musste ich doch lachen. Er muss für vier Wochen beruflich verreisen und schien unter ähnlichen Symptomen zu leiden wie ich vor dem Urlaub. Er schrieb sinngemäß: Ich weiß gar nicht mehr, wo ich anfangen und aufhören soll. Und natürlich will ich, wie immer, bevor ich wegfahre, noch in zwei Tagen die Welt verändern! 
Es scheint also nicht nur mir allein so zu gehen! Und dann fiel mir ein, dass ich vor einigen Jahren mal einen „Merkzettel für Urlaube“ las und „archivierte“, den die christliche Autorin Andrea Schwarz geschrieben hatte, die selbst viele Jahre im pastoralen Dienst stand. Den habe ich mir wieder hervorgeholt und hoffe ihn in den letzten acht Tagen, bevor ich in Urlaub fahre, bewusst einmal täglich zu lesen:
 
1. Ich werde etwas vergessen. Und ich bin neugierig darauf, was es diesmal sein wird.
2. Es wird etwas unerledigt bleiben. Es ist bisher jedes Mal etwas unerledigt geblieben. Und die Welt hat sich trotzdem weitergedreht.
3. Ich kann in diesen Tagen nicht das tun, was ich in 345 Tagen nicht geschafft habe.
4. Ich war noch nirgendwo im Urlaub, wo man nicht Sonnencreme oder ein T‑Shirt kaufen konnte.
5. Im Büro sind kompetente Kollegen und Kolleginnen. Sollte ich etwas Entscheidendes vergessen haben, sind sie in der Lage zu improvisieren.
6. Es gibt für alles eine Zeit. Es darf eine Zeit für meinen Urlaub geben. Wenn ich wieder in der Pfarrei bin, wird es eine Zeit für die Pfarrei geben.
7. Und wenn etwas wirklich wichtig ist, dann wird es mich schon erreichen.
 
Mir hilft das, mir nicht mit meinem eigenen Perfektheitsanspruch auf die Nerven zu gehen. Mut zur Lücke haben, zum Nicht‑Perfekt‑sein, damit rechnen, dass ich etwas vergesse, dass etwas unerledigt bleibt… Vielleicht könnte das eine gute Voraussetzung sein, um in aller Ruhe Urlaub machen zu können.
 
Ihr Pfarrer Ronny Baier