Friede – das ist nicht nur das Gegenteil von Krieg. Er ist mehr. Er setzt der Gewalt ein Ende, sucht nach Gerechtigkeit, richtet auf, tröstet und rettet, was zu retten ist. Er will mehr sein als nur ein Ideal. Er will täglicher Entschluss und eine Haltung sein. Man findet ihn in jeder Stimme, die sich gegen Hass erhebt und für die Wahrheit steht.
Der neue Papst begann seine erste Ansprache am Tag seiner Wahl mit den Worten: „Frieden sei mit euch!“ Es sind nun acht Wochen her, dass Leo XIV. seinen Dienst als Bischof von Rom und Oberhaupt der katholischen Kirche angetreten hat. Seit 100 Jahren hat sich kein Papst mehr Leo genannt und sein Friedensappell wurde gleich als Programm gewertet.
Leo hat inzwischen auch erklärt, dass ihm – angesichts der Kriege in der Welt – der Friede besonders am Herzen liegt. Bei der Generalaudienz in der Fronleichnamswoche bezeichnete er die Schreie Menschen aus den Kriegsgebieten der Welt als „herzzerreißend“. Namentlich nannte er dabei die Ukraine, den Iran, Israel und Gaza. An seine Vorgänger im Papstamt anknüpfend sagte Leo XIV: "Im Namen der Menschenwürde und des internationalen Rechts wiederhole ich das, was Papst Franziskus oft sagte: Krieg ist immer eine Niederlage." Zugleich zitierte er in dieser Audienz die berühmten Worte von Pius XII., der wenige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gesagt hatte: "Nichts ist mit dem Frieden verloren, aber alles kann mit dem Krieg verloren sein."
Der Krieg macht Gewinner und logischerweise auch Verlierer. Und was macht der Friede? Er kennt keine gegnerischen Parteien, er verbindet, er vereint. Auch der Wahlspruch des neuen Papstes passt da dazu: „In Christus sind wir viele eins!“ In der Bibel ist da noch ein Wort zu lesen, das wie ein Versprechen klingt, beim Propheten Jesaja: „Frieden dem Fernen und dem Nahen … Ich werde ihn heilen.“ Das tut also der Friede: er heilt!
Und das ist auch der Name Jesu: „Gott heilt“. Wie der Friede kommt er nicht von dieser Welt, wohnt aber in ihr. Nicht wenige Menschen glauben, dass Gottes Frieden als kleines Kind auf die Erde gekommen ist. Aber ob Glaube oder nicht, klar ist: Meistens fängt der Friede klein an und wenn viele mitmachen, wird er größer und größer. Man kriegt ihn nicht um jeden Preis, Gewalt und Verträge schaffen es offensichtlich nicht immer, ihn festzuhalten. Aber alle können an ihm arbeiten, da bin ich mir sicher. Es liegt auch an mir und dir, ob Friede ist, ob Friede wird. Und so versuche ich im Kleinen Frieden zu üben mit allen Menschen, die meinen Weg kreuzen. Wenn wir im Kleinen anfangen, dann kann sich auch im Großen etwas ändern. Ich weigere mich einfach, diese Hoffnung aufzugeben.
Ihr Pfarrer Ronny Baier